Der Ausgangspunkt
Alkohol war nicht nur ein Getränk. Er war mein Ablauf.
Der erste Alkohol am Abend hatte seine Uhrzeit. Danach war klar, wie der restliche Tag weiterlief. Ich musste nichts planen und nichts entscheiden. Genau deshalb fehlte nach dem Aufhören nicht nur der Alkohol, sondern ein ganzer Ablauf.
Mir half es, diese Lücke nicht nur auszuhalten, sondern nach und nach mit anderen Handlungen zu füllen. Nicht mit einer perfekten Morgenroutine und nicht mit zehn neuen Regeln. Mit einfachen Dingen, die ich wiederholen konnte.
Gleiche Uhrzeit
Früher ging um sechs die Flasche auf. Heute geht der Herd an.
Diese eine Veränderung beschreibt für mich viel. Die Uhrzeit blieb zunächst gleich, aber die Handlung wurde eine andere. Ich begann zu kochen, statt den Abend mit Alkohol einzuleiten.
Kochen beschäftigt Hände und Kopf. Am Ende steht etwas Konkretes vor mir. Für mich wurde daraus keine spektakuläre Lebensphilosophie, sondern eine neue Antwort auf eine alte Uhrzeit.
Bewegung
Einmal um den Block ist klein genug, um wirklich loszugehen.
Wenn ich festsaß oder der Abend zu lang wurde, half mir Bewegung. Nicht als sportliche Bestleistung. Manchmal war es einfach eine Runde um den Block.
Der Ort verändert sich, der Körper bekommt etwas zu tun und aus einem kreisenden Gedanken wird zumindest für ein paar Minuten ein Weg. Diese kleinen Wechsel waren für mich oft hilfreicher als ein riesiger Plan.
Beschäftigung
Die Zeit war immer da. Früher gehörte sie dem Alkohol.
Heute baue ich nachts manchmal stundenlang Websites. Irgendwann fiel mir auf, dass das genau die Stunden sind, die vorher der Alkohol hatte.
Beschäftigung löst nicht automatisch jedes Gefühl. Aber sie kann einem leeren Abend eine Richtung geben. Bei mir sind es unter anderem Kochen, Websites, Lernen und Dinge, bei denen am Ende etwas entstanden ist.
Runterkommen
Meditation hilft mir, langsamer zu werden.
Alkohol war für mich lange die schnelle Möglichkeit, die Lautstärke im Kopf herunterzudrehen. Heute nutze ich dafür unter anderem Meditation und bewusstes Atmen.
Das ist meine Erfahrung, kein Versprechen für jeden Menschen. Ich will hier nur Übungen anbieten, die ich selbst genutzt, geprüft und eingesprochen habe. Die ersten Aufnahmen sind deshalb noch in Vorbereitung.
Der wichtigste Punkt
Eine Routine muss nicht beeindruckend sein. Sie muss machbar sein.
Ich brauchte am Anfang keine perfekte Version von mir. Ich brauchte eine nächste Handlung, die ohne Alkohol möglich war: etwas kochen, kurz rausgehen, mich hinsetzen, weiterbauen oder den Zeitraum kleiner machen.
Aus einzelnen Handlungen wurden Wiederholungen. Und aus Wiederholungen entstand langsam ein Alltag, in dem nicht mehr alles automatisch mit Alkohol verbunden war.